Die Konsequenz (en) der Kunst

Symposium von Prof. Lars Blunck und Prof. Kerstin Stakemeier

Gestaltung: Karin Kolb, Christian Kröber, Klasse für Grafik-Design/ Visuelle Kommunikation

Die Philosophin Alenka Zupančič schlug 2015 den Begriff der Konsequenz als Maßstab unseres Denkens vor: Es komme darauf an, alles in seiner Konsequenz zu verbinden, statt es nur seiner Norm nach zu wiederholen. Mit Zupančič lässt sich auch nach der Konsequenz der Kunst fragen, nach ihren Folgen ebenso wie nach ihrer Folgerichtigkeit. Und gerade in dieser Verbindung scheint der Begriff der Konsequenz in der Kunst heute dringlicher denn je, denn er begreift die Kunst nicht nur von ihren Produkten und deren Verwertungen her, sondern auch als Gefüge von Handlungen – von Handlungen mit Konsequenz(en).

Im Sommer- und Wintersemester 2016 veranstaltete die Akademie der Bildenden Künste Nürnberg eine Reihe von drei Podiumsdiskussionen, in denen KünstlerInnen, TheoretikerInnen und WissenschaftlerInnen den Begriff der Konsequenz in Diskussionen miteinander immer weiter aufspannten. Als Abschluss der Reihe hielt schließlich  Alenka Zupančič einen auf diese Diskussionen aufbauenden Vortrag zu ihrem Begriff der Konsequenz.
Den Auftakt der Reihe bildete das Panel zu „Aufzeichnungen von Konsequenz(en)“, bei dem Michaela Eichwald (Berlin), Monika Rinck (Berlin) und Siegfried Zielinski (Karlsruhe) gemeinsam über sprachliche Formen diskutierten. Die Sprache und ihre schriftlichen Formen geben dem Denken nicht nur seine weithin sichtbarste und verbreitetste Form, sie variieren auch radikal innerhalb ihres jeweiligen Umfeldes. Diese Allgegenwart unserer sprachlichen Formen und ihrer Macht hat sich im Zusammenhang der Digitalisierung unserer Lebensformen in den vergangenen Jahrzehnten noch grundlegend ausgeweitet. Doch welche Konsequenzen liegen in der Wahl dieser veränderlichen Formen? Welche künstlerischen, welche wissenschaftlichen, welche sozialen Effekte und Affekte setzen sich sprachlich in Szene? (Auch) anhand ihrer eigenen (Schreib)Praxis sprachen die DiskutantInnen darüber, in welchen Formaten sie die Möglichkeit einer Aufzeichnung von Konsequenz(en) sehen.

Im zweiten Panel diskutierten Paul Feigelfeld (Lüneburg/Berlin), Rachel O’Reilly (Arnheim/Berlin) und Susanne Winterling (Offenbach/Berlin) über die Konsequenz(en) des Politischen, die deutlich spürbar sind, wo Staaten ihre BürgerInnen oder – heute kaum weniger virulent – ihre Nicht-BürgerInnen regieren. Wie aber können die Konsequenzen einer politischen Form demonstriert werden, die sich jenseits oder sogar im bewussten Abseits solcher offiziellen Politikformen zusammensetzt? „Demonstrationen von Konsequenz(en)“ brachte drei Diskutierende zusammen, die in ihren jeweiligen Arbeitsfeldern Momente politischer Konsequenz im Jenseits des institutionell Politischen erprobt und vorgeschlagen haben: Im Schreiben, im Lehren, der Medientheorie, den bildenden Künsten u.a. testen sie die spezifischen Kapazitäten ihrer Medien für kritische Konsequenz(en).

Das dritte Panel handelte von den "Konsequenz(en) der Geschichte"Eva Kernbauer (Wien), Sven Lütticken (Amsterdam) und Holger Kube Ventura (Tübingen) reflektierten den doppelten Dualismus von Gegenwart und Geschichte, von Relevanz und Konsequenz. Wie geschichtsvergessen oder wie geschichtsversessen muss oder darf künstlerisches Handeln heute sein, um als konsequent gelten zu dürfen? Der Begriff Geschichte kann hierbei ganz Unterschiedliches meinen, sei es die „gemeinsam geteilte Vergangenheit“, die „individuell unmittelbar erlebte Handlung“ (Y. Dziewior) oder etwa das Modell einer zeitlichen Folgelogik. Folgte der Imperativ des Zeitgenössischen in und seit der Moderne noch dem Bruch mit der Vergangenheit, fragt sich nunmehr, ob künstlerisches Handeln sich heute allein aus der Kunst – aus der Relevanz für die Kunst – rechtfertigen lässt oder ob sich künstlerische Praxis nicht auf ihre Folgehaftigkeit zu verpflichten hat.

„Die Natur ist gegeben. Aber was sie von der Physik unterscheidet, ist, dass die Physik es Wert ist, über sie zu sprechen, und dass Diskurse in ihr Konsequenzen haben, wohingegen jeder weiß, dass kein Diskurs irgendeine Konsequenz in der Natur zeitigt, weswegen wir so dazu neigen, sie zu lieben.“ (J.Lacan) Ausgehend von Lacans Aussage diskutierte Alenka Zupančič zum Abschluss der Veranstaltungsreihe den Begriff der Konsequenz, um das Verhältnis von Natur und Physik auf die Situation der Kunst zu übertragen. Dass große Kunstwerke einen Widerhall finden, der über die Kunst hinausweist, scheint offensichtlich. Aber dieser Widerhall sollte nicht mit Konsequenz verwechselt werden. Könnte es sein, dass nur diejenigen Formen des künstlerischen Denkens, die Konsequenzen in der Kunst haben, signifikanten Widerhall auch außerhalb der Kunst finden?

 

Konzeption der Diskussionsreihe:
Prof. Dr. Lars Blunck, Professor für Kunstgeschichte, AdBK Nürnberg
Prof. Dr. Kerstin Stakemeier, Professorin für Kunsttheorie und –vermittlung, AdBK Nürnberg

Zum Schließen scrollen

Symposien

Titel, Thesen, Argumente

Zum Schließen scrollen

News

künstlerische Klassen

freie und angewandte Kunst, Aufbaustudiengänge

Kunstpädagogik

Lehramt Kunst am Gymnasium

kunstbezogene Wissenschaften

fächerübergreifendes Lehrangebot

Werkstätten

Ausstattung, Techniken, Kursprogramm

Studienförderung

Stipendienprogramme, Preise und Auszeichnungen

International Office

Erasmus+, PROMOS und Stibet Programme

Studienangebot und Beratung

Lehrangebot, Studien- und Mappenberatung

Bewerbung und Aufnahmeverfahren

Wie bewerbe ich mich?

Bewerbungstermine

Bewerben bis 15. Mai 2018

Akademie Galerie Nürnberg

Ausstellungsraum Auf AEG

Ausstellungen

Jahresausstellung, AbsolventInnenausstellung und andere Formate

Selbstverständnis

Geschichte

die älteste Kunsthochschule im deutschsprachigen Raum

Architektur

Sep Ruf & Hascher Jehle Architektur

Professorinnen und Professoren

wissenschaftliches und künstlerisches Schaffen

Gremien

akademieinterne Strukturen

Einrichtungen

interne Strukturen

Hochschulverwaltung

Lebensläufe & Kontaktdaten

Lehrpersonal

künstlerische & wissenschaftliche Mitarbeitende

Kontakt

Adresse

Akademie der Bildenden Künste Nürnberg


Bingstr. 60, 90480 Nürnberg

Telefon: +49 911 940 40

Fax: +49 911 940 41

info@adbk-nuernberg.de


Öffnungszeiten:

Verwaltung / Sekretariat

Montag bis Freitag, 8-12 Uhr


Freunde der AdBK Nürnberg Facebook Twitter Instagram

Klicken zum Bewegen und Zoomen

Campus


Öffnungszeiten:

Vorlesungszeit: Montag bis Freitag, 7.30-19 Uhr / Samstag, 9-13 Uhr

Vorlesungsfreie Zeit: Montag bis Donnerstag, 8-17 Uhr / Freitag, 8-14.30 Uhr


Werkstätten


Öffnungszeiten:

Montag bis Donnerstag, 8-12 Uhr und 13-17 Uhr / Freitag, 8-12 Uhr und 13-14.30 Uhr


Prüfungsamt


Öffnungszeiten:

Montag bis Donnerstag, 9-12 Uhr und 14-15 Uhr / Freitag, 9-13 Uhr


Newsletter

Melden Sie sich für den Newsletter an.

* Pflichtfeld

Credit
Ihr Browser ist veraltet. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser um diese Webseite optimal nutzen zu können.
Zurück zur normalen Version